Strapazierter Geheimtipp: Caló des Moro

santanyi mallorca caló des moro Als ich 2004 das erste mal nach Mallorca kam, befand sich in meinem Marco Polo Reiseführer nur eine Randnotiz zur Caló des Moro: Geheimtipp. Ich weiß nicht wie die aktuelle Edition des Mallorca-Reiseführers aussieht, aber in Zeiten von Internet und GPS haben es Geheim- und Insidertipps schwer. Das ist ein wenig schade, denn dadurch geht diesen traumhaften Ecken viel von ihrem Zauber verloren.santanyi mallorca calo des moro

In meinen Augen ist die Caló des Moro eine der schönsten Badebuchten Mallorcas. Sie gehört zur Gemeinde Santanyí und damit praktisch zu einen unserer Hausstränden. Wir könnten theoretisch jeden Tag im kristallklaren Wasser schwimmen, schnorcheln, in den Höhlen klettern und Fische beobachten. Jedoch schaffen wir es nur sehr selten, beziehungsweise wollen wir es uns nicht antun. Der Strand ist so überlaufen, dass es Proteste von seiten der Anwohner gab. Kleine Revolutionen, wie Straßenschilder übermalen oder demontierten (was kaum jemanden mit funktionierendem Smartphone noch stört) gehören zur Tagesordnung. Etwas provokanter sind diejenigen, die die Luft aus den Autoreifen der Urlauber lassen, weil die Parksituation in den letzten Jahren eskalierte. [Parken auf Privatgrundstücken. Blockierte Straßen durch parkende Autos. Fehlende Rettungsgassen.] Als Gegenmaßnahme sperrte die Gemeinde die Zufahrt für alle (außer die Anwohner) und kontrolliert regelmäßig, ob die neuen Verkehrsregeln auch eingehalten werden. Aber wer hält sich hier schon an Regeln?santanyi mallorca calo des moro

Das Ganze hilft nur bedingt. Die Leute parken einfach ein Stück weiter weg und laufen dann ein Stück weiter. Für den Weg ins Paradies ist kein Weg zu schwer. Zu den Stoßzeiten gibt es eine Völkerwanderung von Bikini-, Badehosen und Sonnenschirmträgern in und aus der Bucht.

Hinzu kommt, dass der Strand der Caló des Moro sehr klein ist. Sehr viel mehr als 20 Handtücher haben auf dem sandigen Teil des Strandes keinen Platz. Und dass auch nur, wenn es nicht zu wellig ist. Dann liegt man eventuell mit den Beinen im Wasser. Ganz starke und schmerzunempfindliche Menschen machen es sich mit ihren Handtüchern auf den Felsen bequem, oder nehmen die Höhle in Beschlag. Die Abenteuerlustigen übernachten auch gleich einmal dort. Die ganz Verrückten steigen mit Paddle-Surf-Ausrüstung oder lebensgroßen, aufblasbaren Fabeltieren in die Bucht hinab.

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Stichwort hinabsteigen: Das letzte Stück zum Strand hat es in sich. Es ist steil und rutschig und schon dann schwierig, wenn niemand aus der anderen Richtung entgegen kommt. Was allerdings fast immer der Fall ist. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, der Abstieg ist zum Teil gefährlich. Vor allem mit den falschen Schuhen. Mit kleineren Kindern sollte man sich vorher genau überlegen, ob man sich das zumuten möchte.

Und da wir gerade beim Thema Kinder sind: Der Strand ist auch nicht unbedingt der familienfreundlichste. Wenn in Betracht zieht, dass es kaum Sandfläche zum Spielen und zu viele Menschen gibt, gibt es eigentlich keinen Grund, sich das mit Kindern anzutun. Und trotzdem denke ich, dass sich auch ein Ausflug mit Kindern lohnen kann. Man sollte nur einiges dabei bedenken.santanyi mallorca caló des moro

  • Sommer ist die denkbar ungünstigste Zeit. Es geht zu wie in einem Ameisenhaufen. Mit der Geräuchskulisse eines Fussballstadiums.
  • Die Caló des Moro ist kein Strand für einen ganzen Tag. Statt einen Strandtag dort zu planen, seht es eher als Ausflug. Eine kleine Wanderung durch die benachbarte Bucht Cala S’Almunia, durch den von den Amics d’Es Caló des Moro, den Anwohnern restaurierten und bepflanzten Teil der Bucht. Steinewerfen bei den Fischerhäuschen und ein wenig Plantschen in der Caló des Moro.
  • Kommt zeitig. Sehr zeitig. So zeitig wie es eben geht, je nach Jahreszeit und Familiengewohnheiten. Im Sommer direkt zum Sonnenaufgang, auf jeden Fall aber vor zehn Uhr. Danach reisen die Internetschönheiten an um sich im und am Wasser mit ihren Selfie-Sticks ein Gefecht um das Beste Foto des Tages zu liefern.santanyi mallorca calo des moro
  • Vermeidet die Sommermonate. Versucht es statt dessen im Frühling, Herbst und Winter. Solange Badewetter herrscht, wird die Bucht nicht einsam sein, aber vielleicht findet man einen Platz und etwas Ruhe.
  • Nutzt die Zubringerbusse von Santanyi, wenn ihr wider meiner Ratschläge trotz allem im Sommer an den Strand wollt. Dort könnt ihre eure Autos gut und sicher parken. Gegen ein kleines Entgeld werdet ihr bis in die Cala S’Almunia gefahren und erspart euch Fußweg und den Ärger der Anwohner, denen ihr die Parkplätze wegnehmt. Fahrzeiten und Fahrpreise findet ihr hier.
  • Verzichtet auf alles was sperrig ist. Zieht feste Schuhe an. Bringt den Fotoapparat mit. Und genießt den Anblick.

Und vergesst nicht, mir zu sagen, wie es euch gefallen hat!

Ein Kommentar

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