Mallorcas Piratenwachtürme leuchten wieder

Wenn ich Mallorca nicht ohnehin schon lieben würde, spätestens jetzt wäre es um mich geschehen. Von unserer Vorliebe für Ausflüge zu den Wachtürmen habe ich bereits im letzten Jahr geschrieben. Lange Zeit leuchtete das Küstenkommunikationssystem des Historikers und Mathematikers Joan Binimelis nicht. Bis letztes Jahr (2017) einge sehr kluge Köpfe (und das meine ich voller Bewunderung) eine Initiative ins Leben riefen, die das kulturelle Erbe der Insel  mit dem aktuellen Weltgeschehen verbanden und mehr als vierzig ehemalige Lichtpunkte der Insel wieder zum Leuchten brachten:

Talaies de Mallorca: Torres de defensa pels Drets Humans – (Mallorcas Wachtürme: Türme zur Verteidigung der Menschenrechte)

Menschenrechtswachtürme statt Piratenwachtürme. Eine interessante Analogie.


Dieses Jahr wurde die Aktion am zweiten Samstag im Januar wiederholt. Insgesamt wurden zwei Zeichen gesendet: Ein Rauchzeichen am Mittag und ein Feuerzeichen später am Abend. Die Veranstaltung begann mit der Verlesung eines Manifests, dass mir zu Teilen die Tränen in die Augen trieb. Ich übersetze vollkommen frei und ohne Anspruch auf Vollständigkeit aus dem Mallorquinischen:

In der Zeit des Internets, in der Geschwindigkeit oft nur in „Megas“ gemessen wird, ist das Kommunikationssystem der alten Wachtürme Mallorcas mehr als überholt. Doch in seiner Zeit, rettete ein jeder dieser Türme Menschenleben vor den  Gefahren, die im Mittelmeer lauerten. Die Gefahren früher waren die Piraten. Die Gefahren von heute sind subtiler und sollten jeden Menschen beschämen.
[…]
[Die Organisatoren] prangern die Ineffizienz der europäischen Behörden an, Mitgliedsstaaten zur Verantwortung zu ziehen und die Einhaltung der gemeinsamen Vereinbarungen durchzusetzen.
[…]
[Die Aktion] soll denen eine Stimme geben, die sie auf der Suche nach einem besseren Leben ihr Leben verloren haben. Die Türme sollen aber auch ein Licht für alle sein, die immer noch auf der Suche sind.


Der Präsident der Inselregierung warnte:

Es ist sehr wichtig, dass diese Wachtürme jetzt ihre Funktion wieder erhalten, aber nicht um ein Alarmsignal im Falle einer Invasion zu senden, sondern um zu zeigen, was im Mittelmeer geschieht. Wir alle müssen handeln, weil wir in der Zukunft zur Verantwortung gerufen werden, das Mittelmeer zu einem Flüchtlingsgrab gemacht zu haben.“

Piratenwachtürme in alten Glanz

Gesendet wurden die Leuchtzeichen von Palma aus in beide Richtungen. In weniger als einer halben Stunde hatten sie die Insel einmal umrundet. Der Glockenturm in Palma’s Castell de Bellver übernahm die Arbeit die der Palau de la Almudaina im Vorjahr hatte und teilte mit Glockenläuten mit, wann das Leuchtzeichen gesendet und empfangen wurde. Wiederholt wurde das Ganze am Abend noch einmal mit Feuer. Genau so funktionierte das Warnsystem auch zu seiner Zeit: Am Tag mit Rauch. In der Nacht mit Feuer.

Die Türme stehen in Sichtweite voneinander. Dadurch gelangen die Warnzeichen auf den schnellsten Weg nach Palma zum Almudaina Palast. Von dort rückte die Unterstützung aus. Von den einst 60 Festungen sind heute nur noch 24 begehbar. Die meisten der Wachtürme befanden sich an der Küste. Es gab und gibt aber auch einige Festungsanlagen im Inneren der Insel. Zum Beispiel das Castell de Alaró, dass wie auch der Puig de Sant Salvador, Sineu, Algaida, Muro am Leuchtfeuer-Transit teilnahm.

Wenn ihr der Aktion, die sicher in den nächsten Jahren wiederholt werden wird, folgen wollt, könnt ihr das auf der Facebook-Seite der Initiatoren tun (leider nur auf Mallorquin).

piratenwachtuerme-wachtuerme-auf-mallorca-leuchten-wieder

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .