Die Portugiesische Galeere auf Mallorca

Mein Sohn ist ein ambitionierter Meeresforscher. Als Mutter lernt man da noch einiges dazu. Besonders beeindruckt waren wir beide immer von dieser farbenfrohen Qualle: Sie ist so exotisch und imposant. Und auch so weit weg. War. Denn mittlerweile sichtet man die Portugiesische Galeere auch auf Mallorca. Und die Mutter des zukünftigen Meeresbiologen hat einiges zu berichten:

Die Portugiesische Galeere: Keine Qualle

Im Gegensatz zu dem, was viele Leute glauben (ich ja auch), ist die Portugiesische Galeere (Physalia physalis) keine Qualle. Obwohl es durchaus gewisse Ähnlichkeiten gibt. Allerdings handelt es sich bei dem seltsamen Tier vielmehr um ein Lebewesen, das  aus einer Kolonie von Polypen besteht, die unterschiedliche Aufgaben wie Verteidigung, Beutefang oder Nahrungsaufnahme übernehmen. Gemeinsam bilden sie den Organismus, den wir sehen.

Optisch ist die Portugiesische Galeere eine mit Gas gefüllte Blase, die für den Auftrieb und die Fortbewegung im Wasser zuständig ist. Die halbtransparente Blase kann 20 bis 25 cm groß werden und hat eine sehr charakteristische Schattierung, die von rot bis intensiven blau reicht.

Aus dem zentralen Teil der Blase reichen die einziehbaren und giftigen Tentakeln ins Wasser. Sie sind für das Fangen der Beute und die Verteidigung verantwortlich. Im eingefahren Zustand sind die Tentakel nur wenige Zentimeter lang. Sie können sich jedoch zu einen riesigen, 30 bis 40 Meter langen Fadenvorhang ausdehnen.

Sehr hübsch, aber giftig

Die Portugiesische Galeere ernährt sich ausschließlich von kleineren Fischen und Plankton. Ihr Gift setzt aber auch größere Organismen außer Gefecht. Hauptsächlich Fressfeinde. Zu denen zählen wir Menschen nicht. Jedoch fügt der Kontakt mit dem Blasentier auch uns ernsthafte Verletzungen zu.

Der Lebensraum dieser Nicht-Qualle ist das offene Meer. Sie kommt in allen wärmeren Gewässern der Welt vor und manchmal verirrt sie sich auch in die Nähe von Küstengebieten und an den Strand. Seit einigen Jahren wird ihre Anwesenheit auch im Mittelmeer immer häufiger. Durch den Wind wird sie vom Atlantik in das Mittelmeer getrieben, wo sie sterben wird, sobald die Wassertemperaturen ansteigen.

Foto von Schroers via Wikepedia Commons

Die Gefahr für den Menschen wird medial oft übertrieben in Szene gesetzt. Es wird dann gerne von der „mörderischen Qualle“ gesprochen. Fatale Folgen sind jedoch sehr selten. Durch die größere Giftwirkung der Galeeren ist die Verletzung am Menschen nach einem zufälligen Kontakt (denn aktiv angreifen wird euch keines der Tiere) erheblich größer als bei herkömmlichen Quallen. Es ist daher durchaus ratsam, Gebiete zu meiden, an denen bedingt durch Strömungen und Windrichtungen häufig oder kürzlich Tiere gesichtet wurden.

Symptome

Kommt es zum unfreiwilligen Kontakt mit den Tieren, merkt man das sofort. Intensives Brennen, Juckreiz, Schwellung und leider auch starken Schmerzen. Bewusstlosigkeit und Schock können eintreten. Weitere häufige Symptome sind Schwindel, Fieber, Schwitzen, Übelkeit, Erbrechen, Muskelattacken, Atembeschwerden.

Als Ersthelfer ist es äußerst wichtig, beruhigend auf die verletzte Person einzuwirken und zu verdeutlichen, dass ihr Leben, trotz allem nicht in Gefahr ist. Es ist in jedem Fall ratsam, dass sich die betroffene Person schnellstmöglich in medizinische Behandlung begibt.

Nach dem Biss darf das betroffene Gebiet nicht mit bloßen Händen berührt werden, da sich die Verletzungen dadurch auf andere Körperteile ausdehnen. Man sollte versuchen die auf der Haut verbleibenden Teile der Qualle mit einer Pinzette oder Kreditkarte sorgfältig zu entfernen. Die Wunde muss mit Salzwasser ausgespült werden (nie Süßwasser) und sollte danach mit einem Eisbeutel gekühlt werden, um die Entzündung zu reduzieren. Alternativ kann der betroffene Bereich auch für circa 20 Minuten in 45 Grad warmes Salzwasser gehalten werden. Die hohen Temperaturen schädigen das Gift.

Ruhe bewahren

Auf keinen Fall sollte die Wunde mit Essig, Ammoniak, Urin, Sand, Schlamm oder anderen vor allem bei herkömmlichen Quallenverletzungen empfohlenen Dingen behandelt werden. Dadurch erhöht sich nur das Infektionsrisiko. Auch Alkohol muss vermieden werden. (Also sowohl innen, als auch außen). Die bei dem Vorfall getragene Kleidung sollte für mehrere Tage in Quarantäne. Das Gift bleibt viele Tage aktiv.

Mediziner verabreichen typischerweise Analgetika und Antihistaminika, also Mittel, die allergische Reaktionen eindämmen. Nur bei Infektionen wird Antibiotika notwendig. In sehr schweren Fällen, wenn der Patient allergisch auf das Gift reagiert, muss er zur Überwachung ins Krankenhaus.

Ich gebe zu, das klingt alles sehr dramatisch. 112 Illes Balears, der Notruf der Balearen ruft zur Ruhe auf. Die Qualle sei gefährlich, aber die meisten Exemplare wurden tot aufgefunden. Mit ansteigender Wassertemperatur werde alle weiteren noch im Mittelmeer herumreisenden Exemplare sterben. Jeder Fund soll dem Notruf 112 gemeldet werden. Die Rettungsschwimmer an den Stränden sind geschult um mögliche Verletzungen schnell und effektiv zu kurieren.

Passt auf euch auf! Aber lasst euch den Urlaub nicht verderben!

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .